Sunday, July 09, 2006

Wie man sieht, komme ich mit dem Blog-Schreiben nicht hinterher, irgendwie hatte ich mir das mit der Internetverbindung leichter vorgestellt. Wie dem auch sei, es folgt also ein Rueckblick auf...

Tofino

Am Wochende vom 17. bis zum 20. Juni war ich also in Tofino auf Vancouver Island. Da Ron an diesem Samstag nach Port Alberni fuhr, bot sich die Gelegenheit, bis dahin mitzufahren. Ich hatte die Gelegenheit, seine Eltern kennenzulernen. Nach kurzer Verweilzeit bin ich dann in den Tofino Bus gestiegen. Dieses Busunternehmen faehrt von Victoria nach Tofino und zueruck. Fahrraeder und Surfbretter werden gratis transportiert.

Tofino liegt an der Suedkueste ungefaehr auf der Mitte von Vancouver Island. Von Victoria aus braucht man immerhin 5 bis 6 Stunden mit dem Bus. Das Doerfchen hat eigentlich nur ein paar tausend Einwohner, aber waehrend der Saison herrscht Touristenschwemme. Zwischen Tofino und Ucluelet liegt naemlich z.B. (der) Long Beach. Ein 10 km langer Sandstrand und ein Surferparadies. Rundherum gibt es viele Wandermoeglichkeiten und in Tofino selbst reiht sich eine Whale-Watcher Company an die naechste, das gleiche gilt fuer Surfschulen, Kayak-Verleihe usw. Naehere Informationen und gute Orientierung gibt's hier: www.longbeachmaps.com

Am Samstag, dem Tag meiner Ankunft hatte ich noch keine groesseren Aktionen geplant. Einchecken im Hostel, dem "Whalers On The Point Guesthouse". www.tofinohostel.com Das fuer mich bislang luxurioeseste Hostel, auf den Fluren kommt man sich wie in einem Hotel vor und der Ausblick aus der Lounge ist auch nicht schlecht:

Auf meinem Zimmer (bzw. meinem "dorm", mit meist 4 bis 6 Betten) habe ich Shimpei aus Japan getroffen. So wie ich das verstanden habe, hat er sein Studium (irgendwas mit Lebensmittel-Herstellung) abgeschlossen und macht ein aehnliches Work-und-Travel Jahr so wie ich. Haben kurzerhand beschlossen, zusammen zu kochen. Reis konnte er zur Verfuegung stellen, das meiste haben wir jedoch im oertlichen Supermarkt eingekauft. Als passionierter Sushi-Macher hat er die heiklen Koch-Angelegenheiten netterweise uebernommen, ich habe zugearbeitet und gespuelt. Essen mit Japanern ist interessant. Offenbar bevorzugen sie kleine Teller und fuellen diese dafuer oefter nach. Ausserdem teilen sie beim Essen mehr mit den anderen. Beim Blogschreiben habe ich das nochmal nachgeforscht. Ein Internet-Artikel mit dem Titel "Teilen, was auf den Tisch kommt" enthaelt folgende Passage: "Bei traditionellen japanischen Essen bestellt jeder etwas und probiert von allem". Das stimmt also. Zum Abendessen habe ich dann ausnahmsweise mal fuer deutsches Bier plaediert, siehe Foto unten und schoene Gruesse an den Uelzener/Durlacher :-)

Shimpei's Blog findet ihr unter http://bc-ca.blogspot.com/. Ganz interessant, besonders fuer Sushi-Freunde.

Am Sonntag habe ich mir eine Whale-Watching Tour rausgelassen. Die Preise dafuer sind in Tofino vergleichsweise niedrig und es gibt Rabatte mit Hostelling-International-Card und auch vom Hostel direkt. Die meisten Unternehmen offerieren 2 bis 3-stuendige "reine" Whalewatching-Touren, wahlweise im Zodiac oder in groesseren Schiffchen. Ein Zodiac ist eine Art Gummiboot mit Steuerkabine, wobei man hier Rettungswesten tragen muss und die Fahrt etwas robuster ist. Die groesseren Boote sind komfortabler, aber eigentlich nicht weniger schnell.

Dann gibt es noch die "Hot-Springs-Touren", ein 6 bis 7-stuendiges Programm. Dabei ist ein Besuch von Hot Springs Cove (cove=Bucht) integriert. Das liegt noerdlich von Tofino am Nordende vom Clayoquot Sound. Vom Dock dort fuehrt ein 30minuetiger Boardwalk-Weg zu heissen Quellen. Das praktische ist, dass man auf den Wegen hin und zurueck zu den heissen Quellen quasi eine Whale-Watching-Tour integriert. Das Unternehmen, das ich auserkoren hatte, mich mitzunehmen, hatte leider zu wenig Interessenten am spaeten Vormittag (die Sasison hatte gerade erst so angefangen) und nach ein wenig Verwirrung bin ich dann bei einer Hot-Springs-Tour um 2:00pm bei Jamie's Whaling Station gelandet. www.jamies.com

Interessanterweise hatte das Unternehmen, bei dem ich zuerst angeheuert hatte (Remote Passages), bei der freundlichen Suche nach Ersatztouren fuer mich NICHT bei Jamie's Whaling Station angerufen, und ich bin eigentlich eher durch Zufall darauf gestossen. Ich wurde das Gefuehl nicht los, dass ich schliesslich bei sowas wie dem oertlichen Platzhirsch teilgenommen habe und sich nicht alle Whale-Watcher untereinander leiden koennen.

Bevor es losging, hatte ich noch die Gelegenheit, mit Shimpei in einem Hafenrestaurant mittagzuessen. Er hatte eine Whale-Watching-Tour am Vormittag gemacht.

Der ueber einstuendige Weg zu den Hot Springs im 35’ cabin cruiser "Pacific Springs" war ausreichend holprig, sodass ich nicht bereut habe, nicht in einem Zodiac fahren zu koennen. Das Bootchen ist ziemlich schnell und haelt man sich draussen auf, wird es ziemlich windig. 2 Paerchen waren ausserdem mit mir an Bord und natuerlich der "Fahrer".

kein 3-Wetter-Taft

Auf dem Hinweg hatten wir dann prompt einen Motor ueberhitzt, zum Glueck hat das Boot zwei. Aber der Zwischenfall erlaubte einen Einblick ins Innenleben unter der Heckpartie. Sowas erlaubt einem Ruderboot wahrscheinlich Ueberschallgeschwindigkeit. (sofern es nicht vom Gewicht untergeht)

Der Weg vom Dock dauerte wie gesagt 30 Minuten. Dieser Boardwalk war in allerbestem Zustand. Kein Vergleich zum West-Coast-Trail. Allerorten waren Widmungen, Signierungen oder Sprueche in die Bretter geritzt, teils "im Vorbeigehen" und teils professionell vorbereitet. Ich bitte fuer das Neigen des Kopfes um Entschuldigung.

diese Begegnung mit einem Stellar's Jay hat mich sehr gefreut !!

Die Hot Springs kann man (anders als z.B. in Banff) in voellig natuerlicher Umgebung geniessen. Etwa 50 Grad heisses Wasser kommt aus der Erde und fuehrt ueber einen kleinen Bach zu einem Wasserfaellchen. Dieser speist 3 hintereinander gelegene Becken, in denen man entspannt sitzen kann. Also unlimitierter Wasserverbrauch ohne schlechtes Gewissen bei angenehmer Temperatur ohne Energieverbrauch und alles gratis. Bei meinem Besuch war nur meine Gruppe vor Ort, in der Hauptsaison macht es vielleicht weniger Spass. Bei Interesse fuer die Hintergruende bitte das naechste Foto anklicken und Kopf drehen.


Fuer alle, die Wal-Fotos vermissen: Ich habe keine gesehen :-( Aufgrund des zu hohen Wellenganges auf dem offenen Meer hat unser Fahrer entschieden, beim Hin- und Rueckweg die "Inner Passage" zu nehmen.


Fuer Montag hatte ich einen Wanderung geplant. Es gibt viele ausgeschriebene Wanderrouten entlang des Long Beach, ich hatte aber am Tag zuvor das Glueck gehabt, in einem Gespraech in der Whale-Watching-Station von einem weniger bekannten Pfad runter zum Strand zu erfahren.


Waehrend des Fruehstuecks wurde ich dann von Ubaldo auf meine Tagesplaenen angesprochen und ich hatte nichts dagegen, dass er mitkommt. "UB" kommt aus Toronto und war mit dem Motorrad nach Vancouver Island gefahren. Schliesslich traf ich dann auf dem Zimmer noch Marco. Er kommt aus der Schweiz und er war dann der dritte im Hiking-Bunde.
Etwas Verpflegung gekauft, Fahrraeder geliehen und zum Startpunkt gefahren. Der Wanderweg war durchaus interessant, aber nach dem West-Coast-Trail einfach nichts neues und etwa eine halbe Stunde runter ans Meer. Den beiden anderen hat es jedenfalls ausgezeichnet gefallen. Der Strand war dann allerdings herrlich und vor allem leer.




Anschliessend sind wir noch zum Long Beach gefahren. Die gesamte Strecke von Tofino bis zum ersten Long-Beach-Zugang dauert uebrigens ca. 40 Minuten mit dem Rad. Der Long Beach ist wirklich eindrucksvoll. Waehrend unserer Anwesenheit teilten sich einige wenige Surfer diesen riesigen Sandstrand mit einigen Spaziergaengern. In der Sonne liegen ist hier nicht ratsam. Der starke Wind weht bestaendigt Sand ueber den harten Boden, sodass man in kurzer Zeit unter einem Sandhaufen verschwunden waere. Ob das immer so windig dort ist, weiss ich nicht. Frueher konnte man den Strand mit Autos befahren, heute gehoert er aber zu einem Nationalpark.


Abends haben wir mit drei Franzosen am Hostel gegrillt. Da sie auf der Suche nach einem Zeltplatz waren und Ubaldo von einem Strandzugang unweit des Hostels wusste, haben wir uns noch dorthin auf den Weg gemacht. Die Franzosen haben dort gezeltet und wir haben ein Lagerfeuerchen gemacht. Ob der Baer oder die Flut das Franzosenzelt heimgesucht hat, weiss ich bis heute nicht.

Am naechsten Morgen habe ich den Greyhoundbus von Tofino nach Duncan genommen, wo mich Ron bei der "Duncan Garage" abgeholt hat.

Abschliessend noch ein typischer Anblick in Tofinos Strassen und (was sonst?) einen Sonnenuntergang à la West Coast.


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