Tuesday, May 30, 2006

West Coast Trail 2006

So, gestern am spaeten Abend sind Daniel, Matthias und ich heil aber erschoepft vom West Coast Trail zurueckgekehrt. 6 Tage "in the middle of nowhere". Und obwohl ich nun noch keine 2 Wochen hier im Land bin, hab ich auf dieser Tour bereits Kanada in Bestform erlebt...


Matthias, Daniel und Ich

Kurz zur Erklaerung: Der West Coast Trail ist eine 75km lange Strecke an der Westkueste von Vancouver Island von Port Renfrew nach Bamfield. Seinen Ursprung hat der Trail anfang des letzten Jahrhunderts, als nach vielen Schiffsungluecken dort entlang der Kueste ein "Life Saving Trail" durch den Wald angelegt wurde. Ueber die Jahre verbesserte sich die Navigation und Sicherheit auf See, der Pfad wurde ueberfluessig und verfiel. Seit 1973 wurde der Trail Teil des Pacific Rim National Park Reserve of Canada und ist heute eine weltbekannte Wanderroute. Die Strecke ist immer noch recht anspruchsvoll und eigentlich nichts fuer "backpackers with little experience in multi-day backpacking trips".

Nun waren wir aber zu dritt und Matthias, der den Trail urspruenglich alleine machen wollte, hatte als langjähriger Pfadfinder einige Erfahrung und Ausruestung. Und in Kanadas Staedten werde ich mich wohl noch lange genug aufhalten, wo doch das Land unendlich viel zu bieten hat, was nichts mit Menschen zu tun hat. Also eine grandiose Gelegenheit und life is too short... Ich haette aber nie gedacht, dass ich die mitgebrachten Dinge wie Schlafsack, Isomatte, Campingbesteck oder die Rucksackregencover so bald und so dringend hier brauchen wuerde.

Wir waren von Mittwoch (24.Mai) morgens bis Montagmittag (29.Mai) unterwegs. Anreise eigens mit dem West Coast Trail Bus und einstuendige Einweisung am Startpunkt. Tagesstrecken zwischen 9 und 16 km. Der Trail fuehrt entweder durch den dichten Wald (im Vergleich zu Deutschland wie ein Regenwald) oder am Strand entlang, wobei man je nach dem Stand der Flut teils die Wahl hat, wo man laufen will. Am Strand wandert man Je nach Stand der Flut und Verlauf des Trails auf felsigem oder steinigem Schelf, auf Kieseln oder Sandstrand, alles voll von Muscheln, Krabben, Seeigeln und allem moeglichen Getier. Das ablaufende Wasser hat seit ewigen Zeiten teils tiefe Kanaele in den Sandstein gespuelt, manche sind unpassierbar.
Am Waldrand bzw. am Rand der Klippe liegt alles voller Treibholz, und zwar zum groessten Teil ausgewachsene Baumstaemme.

Auf der gesamten Strecke gibt es 118 Bruecken, 37 Leiterkonstruktionen, 6 Cablecars (Seilbahnen zur Flussueberquerung) und 4 Hängebruecken. Wir sind von Sueden nach Norden gelaufen, d.h. die schwierigsten beiden Tage zu Beginn. Hier war es matschiger und steiler als im spaeteren Verlauf. Besonders wegen des Dauerregens auf den ersten Etappen waren die dort zu passierenden Baumstaemme relativ glitschig und oft unumgaenglich. Die Waldstrecke hat tiefe Schluchten, in denen sich das Fortkommen oft nur auf Vertikalbewegung beschraenkt. Zum Ende des Trails gibt es mehr und mehr Boardwalks, also Wege aus Holzbrettern, die teils alt und verfallen, teils sehr neu sind und oft glatt wie Schmierseife.


Im Schnitt sind uns pro Tag ungefaehr 6 Wanderer auf der Strecke begegnet. Auf den Campgrounds waren es im Schnitt 3 campende Gruppen inklusive uns. An allen Tagen hat eine Gruppe aus der Naehe von von Nürnberg mit uns am gleichen Ort gezeltet, wobei die Gruppe ab der dritten Nacht von 4 auf 2 geschrumpft war, weil sich einer beim Feuerholz schnitzen das Messer in die Hand gerammt hatte und mit einem Freund evakuiert werden musste. Im Notfall kann man bei einem der beiden Leuchttuerme, bei einem Faehrmann in der Mitte des Trails oder in einem Indianerdorf Bescheid geben. Dann kommt der Helikopter oder das Boot, wo möglich. Handyempfang hat man sehr selten, aber wir hatten eh kein Telefon dabei.

...

Ich moechte mal kurz den taeglichen Ablauf skizzieren, der sich so nach den ersten Tagen einspielt: Morgens meistens sehr frueh aufstehen, damit man an einigen Strandabschnitten mit der Tide nicht in Konflikt kommt. Bei der Einweisung bekommt man eine entsprechende Tabelle, welche Flut- und Ebbezeiten anzeigt. Der Blick aus dem Zelt aufs Meer entschaedigt fuer etwaige Muedigkeit und die Unfaehigkeit, sich schmerzfrei zu bewegen. Zelt abbauen. Zum Fruehstueck kanadisches oder festes Brot, dazu Kaese, Wurst, Erdnussbutter und Tee. Frisches Wasser fuer den Tag abfuellen und mit entsprechenden Tabletten behandeln. Abkochen haben wir nie gemacht. Unsere morgentliche Bestzeit lag bei 1,5 Stunden vom Aufstehen bis zum Aufbruch. Nach dem Tagwerk kamen wir nachmittags zu hoechst unterschiedlichen Zeiten am naechsten Campground an. Dann Zelt aufstellen zum Trocknen. Ueberhaupt so einiges versucht man zu trocknen auf Waescheleinen oder sonstwo ausgebreitet. Im Fluss waschen oder unterm Wasserfall. Feuerholz zusammentragen und Feuerchen machen. Gefriergetrocknete Campingmahlzeiten zubereiten. Am besten in einiger Entfernung zum Zelt. Abends muss man dann alles, was auch nur entfernt irgendwie nach Zahnpasta, Seife oder Essen riecht, in den Food Locker stecken, um die Baerchen nicht ins Zelt einzuladen. Fuer uns die "Baerenbox".

...

Der Pacific Rim National Park ist natuerlicher Lebensraum von Schwarzbaeren, Woelfen und Cougars (Pumas). In der Tat sind uns am Crips Creek Campground zwei Baeren begegnet. Etwa 30 Meter vom Zelt aus dem Wald gekommen und haben seelenruhig Gras gefressen. Nach einer halben Stunde waren sie wieder verschwunden, mir war aber auch noch etwas laenger danach mulmig, zumal es offenbar Mama Baer mit einem Jungen gewesen war. Bei Woelfen bin ich zwiegespalten. Ausser Spuren am Strand nichts von ihnen gesehen und ich will doch einerseits unbedingt welche sehen, andererseits waere das aber nicht wie im Zoo und vielleicht ein zweifelhaftes Vergnuegen. Pumas interessieren mich nicht, aber auch davon Spuren am Strand. Riesenmietzekatzenpfoetchen. Oft Marder oder etwas aenhliches gesehen. Eine Otterfamilie am Walbren Creek. Weisskopfadler am Strand. Am Wochende einige Walsichtungen, wobei man nur die Fontaenen in der Ferne sehen konnte. Zwischendurch gab es einen Seeloewenfelsen voller fauler Seeloewen. Das Foto von den Jungs ist so gut, weil wir dafuer das Teleskop eines Leuchtturmwaerters nutzen konnten.

Am Montagmittag bekam unsere Euphorie nach dem Ankommen leider einen ordentlichen Daempfer, weil der West Coast Trail Bus aus unerfindlichen Gruenden erst wieder am Mittwoch fuhr. Wir hatten nicht reserviert, weil wir den Tag unserer Ankunft vorher nicht wussten und die Busgesellschaft war wenig kooperativ. Ohne alle Details aufzuzaehlen, blieb uns nur die Moeglichkeit, zu trampen. Freundlicherweise wurden wir von eine jungen Dame nach Nanaimo mitgenommen, von wo wir mit dem Greyhound-Bus nach Victoria fahren konnten. Auf der Schotterpiste von Bamfield nach Port Alberni war mit den riesigen Holzlastern nicht zu spassen.

Und jetzt will ich mal Bilder (und ihre Untertitel) sprechen lassen.

Links "Regenwald" und rechts Boardwalks in gutem Zustand

SSDD, Same Shit Different Day

Tsusiat Falls: Eine prima Dusche

Chez Monique: Irgendwo auf der Mitte das Trails wohnen Monique und ihr Mann und verkaufen Burger und Bier. Trotz eines alles vernichtenden Sturmes im Februar machen die beiden in improvisierter Umgebung weiter erschoepfte Wanderer gluecklich. Hier habe ich den besten Burger meines Lebens gegessen.





0 Comments:

Post a Comment

<< Home